Subkommission für Jura-Stratigraphie

Mergelstetten



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Die Mergelstetten-Formation, eine neue Gesteinseinheit im Oberjura der östlichen bis mittleren Schwäbischen Alb

Günter Schweigert und Matthias Franz

Jahreshefte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins, 2003

Anschriften der Verfasser:
Dr. Günter Schweigert, Staatliches Museum für Naturkunde, Rosenstein 1, D-70191 Stuttgart, schweigert.smns[at]naturkundemuseum-bw.de
Dr. Matthias Franz, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Albertstr. 5, D-79104 Freiburg i. Breisgau, franz[at]lgrb.uni-freiburg.de

Abstract

A new  lithostratigraphic unit, the Mergelstetten Formation, is introduced in the Upper Jurassic of Swabia. It replaces the “Liegende Bankkalk Fm.” and “Zementmergel Fm.” in the eastern part of Swabia, westwards including the near surroundings of Muensingen. In the other parts of Swabia, the hitherto used lithostratigraphic terms are still valid.

Zusammenfassung

Für das Gebiet der Ostalb und der östlichen Mittleren Alb, vom westlichen Riesrand bis einschließlich der Münsinger Zementmergel-Schüssel, werden die bisherigen Formationen der Liegenden Bankkalke und der Zementmergel zu einer einzigen Formation, der Mergelstetten-Formation zusammengefasst. Im restlichen Gebiet der Schwäbischen Alb werden hingegen die seither verwendeten Formationsnamen weiterhin verwendet.

1. Einleitung

Für die Gliederung von sedimentären Gesteinsfolgen verwendet man ein hierarchisch strukturiertes System von Begriffen, deren Namen oft auf historisch gewachsene Bezeichnungen zurückgeht, in denen der Gesteinscharakter, nicht selten aber auch charakteristische Fossilien oder gar eine Altersbezeichnung Eingang fand. Heute sind solche historischen Termini oft nur noch bedingt mit den Gepflogenheiten moderner Lithostratigraphie in Eingang zu bringen (Steininger & Piller 1999). In der Praxis ist die wichtigste lithostratigraphische Einheit die Formation. Im Schwäbischen Jura gehen viele Formationsnamen auf Quenstedt (1843) zurück und wurden im geologischen Sprachgebrauch gerne durch die griechischen Kürzel α-ζ ersetzt. Für die notwendige Verständigung in Fachkreisen ist es unerlässlich, diese Formationen sauber und unmissverständlich zu definieren. Sie müssen leicht erkennbar und sinnvoll gegen benachbarte Einheiten abgegrenzt sein, um auf geologischen Karten flächenhaft dargestellt werden zu können. Die Deutsche Subkommission für Jurastratigraphie ist in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg bemüht, die Formationsnamen verbindlich festzulegen (Schweigert 1995, Villinger & Fleck 1995, Deutsche Stratigraphische Kommission 2002).

2. Historische Entwicklung

Die Schichten des Oberen Weißjura wurden von Quenstedt (1843, 1856-1857, 1887-1888) vergleichsweise wenig differenziert benannt und beschrieben. Die komplexe Faziesverzahnung von Massenkalk, Korallenkalken, Kalkoolithen, Bankkalken, Mergeln und biodetritischen Gesteinen war seinerzeit nur unzureichend bekannt. Die jüngste erhalten gebliebene Gesteinsformation im Oberjura der Schwäbischen Alb wurde von ihm als "Krebsscherenkalke" bezeichnet, nach den gelegentlich etwas häufiger darin vorkommenden Scheren thalassinoider Crustaceen. Diesen Krebsscherenkalken entspricht der "Weiße Jura Zeta". Schon zu Quenstedts Zeiten und danach fanden in der Literatur eine große Zahl an Bezeichnungen für lokale Sonderbildungen Verwendung, die von Schmierer (1902) zusammengestellt und diskutiert wurden. Die Zuordnung mancher überregional bekannter Faziesbildungen wie den Nattheimer Korallenkalken blieb zunächst umstritten; so wurden diese noch bei Engel (1908) dem Weißen Jura e zugerechnet.
Biostratigraphische Untersuchungen an Profilen in gebankter Fazies erfolgten vorwiegend im Gebiet der Mittleren Alb bei Grabenstetten sowie im Gebiet der Westalb bei Kolbingen (Berckhemer 1922, Berckhemer & Hölder 1959). Später einsetzende litho- und biostratigraphische Untersuchungen im Lauchertgebiet durch Roll (1931) wurden rasch aufgegriffen und auf die gesamte Schwäbische Alb, von Roll selbst (1933, 1940) sogar auf den Fränkischen Jura übertragen. Im Schwäbischen Jura wurden daraufhin, um den lithostratigraphischen Formationscharakter zu betonen, die Roll’schen Bezeichnungen Zementmergel und Hangende Bankkalke beibehalten, seine "Ulmensis-Schichten" dagegen in Liegende Bankkalke abgeändert (Geyer & Gwinner 1961, 1962). Für diese Formationen wurden seit Schmidt (1937) auch die Abkürzungen ζ1, ζ2 und ζ3 verwendet, was zu einer verwirrenden Situation führte, nachdem Zeiss (1968) dieselben Kürzel auch im Fränkischen Jura für faziell völlig andersartige Gesteinseinheiten eines definierten zeitlichen Umfangs eingeführt hatte. Diese gleichnamige Bezeichnung für weder lithofaziell und – wie sich später herausgestellt hat – auch keineswegs altersgleiche Gesteinsformationen des Schwäbischen und Fränkischen Jura musste zwangsläufig zu Fehlinterpretationen führen, weshalb heute von deren Gebrauch abgesehen und, soweit möglich, auf die ursprünglichen Formationsnamen zurückgegriffen wird. Seit Hahn & Schreiner (1971) wurden die Liegenden Bankkalke, Zementmergel und Hangenden Bankkalke auf den geologischen Karten und den zugehörenden Erläuterungen mit den Kürzeln tiL, tiZ bzw. tiH versehen. Diese Praxis wurde inzwischen zugunsten der Kürzel ki4, ki5 und ti1 (vgl. Villinger & Fleck 1995) wieder aufgegeben, weil sich herausstellte, dass weder die Liegenden Bankkalk-Formation noch die Zementmergel-Formation ein Tithonium-Alter besitzen (Schweigert 1996, 2000).

3. Gegenwärtige Situation

Ausgehend von den Verhältnissen im Lauchertgebiet wurden die Gesteinsformationen des Weißen Jura ? Quenstedts in die drei aufeinander folgenden Formationen Liegende Bankkalk-Formation, Zementmergel-Formation und Hangende Bankkalk-Formation untergliedert (z.B. Ziegler 1977, 1978, Geyer & Gwinner 1962, 1979, Schlegelmilch 1994). Während, wie wir heute wissen, die Basis der Liegenden Bankkalk-Formation (Abb. 1) und der Hangenden Bankkalk-Formation durch markante Diskontinuitätsflächen gekennzeichnet sind (Schweigert 1995, 1996), ist die Grenze zwischen der Liegenden Bankkalk-Formation und der Zementmergel-Formation eine reine Faziesgrenze, die keinesfalls eine isochrone Zeitmarke darstellt, wie Pawellek (2001: 191) völlig zutreffend feststellt.

Abb. 1. Grenzprofil mit ausgeprägter Diskordanz zwischen Oberer Felsenkalk-Formation und darüber folgender Liegender Bankkalk-Formation im Steinbruch Möck an der östlichen Grabenstettener Steige (TK 25, Blatt 7422 Lenningen). In der Liegenden Bankkalk-Formation sind Slumping-Strukturen erkennbar.
Abb. 1. Grenzprofil mit ausgeprägter Diskordanz zwischen Oberer Felsenkalk-Formation und darüber folgender Liegender Bankkalk-Formation im Steinbruch Möck an der östlichen Grabenstettener Steige (TK 25, Blatt 7422 Lenningen). In der Liegenden Bankkalk-Formation sind Slumping-Strukturen erkennbar.

Im Gebiet der Ostalb und westlich davon bis zur Münsinger Zementmergel-Schüssel ist das Bild dadurch verkompliziert, als dort innerhalb der als "Zementmergel" bezeichneten Einheit mehrere kalkig dominierte Untereinheiten, so genannte Zwischenkalke, eingeschaltet sein können. Diese Zwischenkalke lassen sich aber nicht über allzu große Distanzen miteinander korrelieren, sondern es kommt mitunter zu raschen lateralen Fazieswechseln oder auch zu erosiven Rinnenbildungen u.ä. (Reiff 1993). Dieses Faziesmosaik wurde zunächst nicht erkannt und auf ein komplexes tektonisches Inventar zurückgeführt (Medinger 1935 vs. Knoblich 1963). Mitunter tritt bereits unmittelbar über der Oberen Felsenkalk-Formation, die sich durch das Auftreten besonders hochreiner, oft Kieselknollen führender Kalke auszeichnet, eine etwas mächtigere Mergelfazies auf. Je nachdem, ob diese Mergeleinschaltung in einem Profil nun eher unbedeutend erscheint oder markanter – mitunter nur eine Frage des Verwitterungsgrads – sprach man die Gesteine entweder als zur Liegenden Bankkalk-Formation oder aber zur Zementmergel-Formation gehörend an. Die beiden Formationen verzahnen sich also gewissermaßen miteinander, und es kann sich der Fall ergeben, dass Liegende Bankkalke nicht nur von Zementmergeln über- sondern auch unterlagert werden.

Ein bezeichnendes Beispiel hierfür stellen die früher in mehreren Steinbrüchen abgebauten Kalke von Steinweiler bei Nattheim dar, die von etwas mächtigeren Mergeln unterlagert werden und deswegen als Zwischenkalke der Zementmergel angesprochen werden können (z.B. Gwinner et al. 1987, Reiff 1993), während ihre Lithologie auch eine Ansprache als Liegende Bankkalke ohne weiteres zuließe. Betrachtet man noch zur Kontrolle den Fossilinhalt, so zeigt sich, dass diese Kalke (mit Metahaploceras wepferi (Berckhemer), Ochetoceras zio (Oppel) und Lithacoceras hillebrandti Schweigert & Zeiss) tatsächlich der Liegenden Bankkalk-Formation der mittleren und westlichen Schwäbischen Alb entsprechen. Dort tritt dieselbe Fauna (zio-wepferi-Horizont α, Schweigert 1998, 2000) stets an der Basis der Liegenden Bankkalk-Formation auf. Diese Fauna wird auch sonst immer wieder aus angeblichen Zementmergel-Zwischenkalken der Ostalb angeführt (z.B. Temmler 1962: 13). In den zentraleren Bereichen der "Zementmergel-Schüsseln" ist die Mächtigkeit von Mergeln, insbesondere denen unmittelbar im Hangenden der Oberen Felsenkalk-Formation, deutlich mächtiger als am Rand. Weiter nördlich der Aufschlüsse von Steinweiler, bei Großkuchen, wurden dieselben Kalke, dort jedoch ohne nennenswerte Mergelunterlagerung, als Liegende Bankkalke deklariert (Gwinner et al. 1987), und die Verwunderung war groß, wie auf demselben Kartenblatt anderernorts paläontologisch mittels leitender Ammoniten (Virgataxioceras setatum) belegte Obere Felsenkalke eng benachbart zu "Zementmergeln" zu lagern kommen. Die bei Kartierungen vermisste Mächtigkeit von dazwischen befindlichen Liegenden Bankkalken wurde dann mit einem steilen Paläorelief oder tektonischer Reduktion zu erklären versucht.

In einem isolierten Aufschluss oder in einer Bohrung wird aufgrund der seither verwendeten Formationsgliederung suggeriert, dass eine Mergelfazies immer von Liegenden Bankkalken unterlagert wird. Dadurch besteht die Gefahr, dass Bankkalke unter einem letzten mächtigeren Mergelpaket fälschlicherweise als Liegende Bankkalke angesprochen werden, obwohl es sich in Wirklichkeit bereits um Obere Felsenkalke handelt. Hierbei ist noch zu berücksichtigen, dass die für den höheren Abschnitt der Oberen Felsenkalke als leitend angesehene Ammonitenart Virgataxioceras setatum (Schneid) nicht bis zur Obergrenze der Formation vorkommt, sondern innerhalb derselben lediglich einen bestimmten Horizont kennzeichnet (ornatum-Faunenhorizont in Schweigert et al. 1996). Im höchsten, im Allgemeinen sehr fossilarmen Abschnitt der Oberen Felsenkalk-Formation tritt Silicisphinctes siliceus (Quenstedt) auf, eine Ammonitenart, die man früher mit anderen Vertretern der Gattung Silicisphinctes wie S. paraboliferus Berckhemer oder S. hoelderi (Sapunov) aus der Liegenden Bankkalk-Formation verwechselt hat (Roll bezeichnete den tieferen Abschnitt seiner Ulmensis-Schichten sogar als Siliceus-Zone!). Wird die Schichtenfolge nicht bis zu unstrittigen Leithorizonten durchteuft, sondern nur ins Liegende extrapoliert, sind zu hohe Mächtigkeitsangaben vorprogrammiert, indem man zu der gemessenen Mächtigkeit von "Zementmergeln" noch eine vermutete Mächtigkeit von "Liegenden Bankkalken" hinzuaddierte, es sich bei letzteren in Wirklichkeit aber schon um die Oberen Felsenkalke handelte. Besonders im Gebiet der Heidenheimer und Ulmer Alb, aber auch im Blautal bis ins Gebiet von Münsingen ist dieser Fall gar nicht selten.

Das komplexe fazielle Nebeneinander macht also eine künstliche lithostratigraphische Auftrennung in zwei aufeinander folgende Formationen unmöglich und unsinnig. Auf diese Situation wies auch Reiff (1993: 78) in einem Fallbeispiel hin, wo die Interpretation von Profilen nicht geringfügigen, tolerierbaren subjektiven Schwankungen unterliegt, sondern in völlige Willkür ausartet. Aus diesem Grund werden im genannten Gebiet die Liegende Bankkalk-Formation und die Zementmergel-Formation künftig nicht mehr verwendet und diese vielmehr zu einer einzigen Formation vereinigt, der Mergelstetten-Formation.

Für das westlich und nördlich der Münsinger Schüssel anschließende Gebiet der Schwäbischen Alb bis in den nördlichen Hegau werden weiterhin die Liegende Bankkalk-Formation und die Zementmergel-Formation benutzt. Als Typusgebiet der erstmals formell durch Roll (1931) eingeführten Zementmergel-Formation kann das Lauchertgebiet, speziell die Fürstenhöhe bei Sigmaringen, gelten.

4. Definition der Mergelstetten-Formation

Die Mergelstetten-Formation (Abb. 2) setzt mit einer kalkmergeligen Serie über den in der Regel hochreinen, oft Silexknollen führenden Kalken der Oberen Felsenkalk-Formation ein. Bei der Untergrenze handelt es sich um eine Diskontinuitätsfläche, die mit der Basis der Liegenden Bankkalk-Formation der mittleren und westlichen Schwäbischen Alb und der Plattenkalkeinschaltung der "Roten Lage" im Top der Torleite-Formation der südlichen Frankenalb korreliert. Auch in der Massenkalk-Fazies macht sich die Diskontinuität bemerkbar und kann zur Unterscheidung zwischen Unterem und Oberem Massenkalk verwendet werden.

Abb. 2. Stratigraphische Stellung der Mergelstetten-Formation im Ober-Jura der Schwäbischen Alb.
Abb. 2. Stratigraphische Stellung der Mergelstetten-Formation im Ober-Jura der Schwäbischen Alb.

Im Typusprofil des alten Steinbruchs der Firma Schwenk in Heidenheim-Mergelstetten (Abb. 3) beginnt die Mergelstetten-Formation mit dem von Schneider (1957) dort als "Untere Zementmergel" bezeichneten Schichtglied. Sie besitzt in diesem Gebiet eine Mächtigkeit von über 120 Metern. Im Typusgebiet bei Heidenheim-Mergelstetten ist die Obergrenze der Formation nirgends erhalten geblieben; die früher als "Hangende Bankkalke" bezeichneten, etwas komponentenreicheren jüngsten Kalkkomplexe der dortigen Juragesteinsabfolge (Reiff 1958) gehören noch der Mergelstetten-Formation an und lieferten die für das jüngste Ober-Kimmeridgium leitende Ammonitenart Gravesia irius (d’Orbigny) (vgl. Schweigert 1993). Andernorts wird der Top der Mergelstetten-Formation, entsprechend dem Top der Zementmergel-Formation, von einer Diskontinuitätsfläche an der Basis der darüber folgenden Hangenden Bankkalk-Formation gebildet (Münsinger Alb, südliche Ulmer Alb). Diese kann durch einen scharfen Fazieswechsel oder sogar eine Aufarbeitungslage gekennzeichnet sein (z.B. Roll 1931, Gwinner 1974, Schweigert 1996).

Abb. 3. Die Mergelstetten-Formation im ehemaligen Steinbruch der Firma Schwenk-Zement bei Heidenheim-Mergelstetten. Im unteren Bildausschnitt ist ein kalkigerer Komplex erkennbar, der den Kalken von Steinweiler bei Nattheim entspricht und der biostratigraphisch den zio-wepferi-Horizont a enthält. Darunter folgen, hier nicht sichtbar, nochmals Mergel, im Hangenden nochmals Kalke.
Abb. 3. Die Mergelstetten-Formation im ehemaligen Steinbruch der Firma Schwenk-Zement bei Heidenheim-Mergelstetten. Im unteren Bildausschnitt ist ein kalkigerer Komplex erkennbar, der den Kalken von Steinweiler bei Nattheim entspricht und der biostratigraphisch den zio-wepferi-Horizont a enthält. Darunter folgen, hier nicht sichtbar, nochmals Mergel, im Hangenden nochmals Kalke.

Die Mergelstetten-Formation umfasst meist äußerst makrofossilarme, bioturbate, dünn- bis mittelbankige, mehr oder weniger mergelige Mergelkalkkomplexe mit kalkigeren Einschaltungen. Brekzienlagen und Slumping-Strukturen treten vor allem, aber keineswegs ausschließlich, im tieferen Abschnitt auf, was eine Analogie zur Liegenden Bankkalk-Formation darstellt. In verwittertem Zustand sind beigefarbene oder hellgraue Gesteinsfarben bezeichnend, unverwittert herrschen aufgrund feinverteilten Pyrits graublaue Farben vor.
Die Mergelstetten-Formation tritt in den sogenannten "Zementmergel-Schüsseln" der Heidenheimer Alb (Mergelstetten), dem Blautal (Blaubeuren, Gerhausen, Schelklingen, Lillich 1962, Koch & Senowbary-Daryan 2000) und im Gebiet von Münsingen in größerer Mächtigkeit auf. Lateral kann sich die Mergelstetten-Formation mit dem Oberen Massenkalk und in der weiteren Umgebung von Heidenheim auch mit der Brenztaltrümmerkalk-Subformation verzahnen (Reiff 1958, 1988, 1991, 1993). Lokal ist im Grenzbereich zwischen der Massenkalk-Formation und der Mergelstetten-Formation eine Korallenfazies ausgebildet, die für ihre artenreiche und sehr gut erhaltene Fauna bekannt geworden ist (Gerstetten, Nattheim, vgl. Reiff 1988).
Weitere Referenzprofile der als Mergelstetten-Formation bezeichneten Folge wurden von Schneider (1957) aus dem Gebiet Ehingen-Schelklingen sowie aus der Münsinger Schüssel angegeben, wobei die dortigen mergelreichen "Liegenden Bankkalke" mit in die neue Formation einzubeziehen sind.
Die Mergelstetten-Formation gehört biostratigraphisch in die Ulmense-Subzone der Beckeri-Zone. Charakteristische, aber seltene Ammonitenarten sind unter anderen Ochetoceras zio (Oppel), Metahaploceras wepferi (Berckhemer), Glochiceras politulum (Quenstedt), Silicisphinctes hoelderi (Sapunov), Silicisphinctes keratinitiforme Schweigert, Silicisphinctes russi Schweigert, Lithacoceras ulmense (Oppel), Lithacoceras fasciferum (Neumayr), Lithacoceras hillebrandti Schweigert & Zeiss, Physodoceras nattheimense Schweigert, Sutneria rebholzi Berckhemer und Gravesia irius (d’Orbigny). Abgesehen von den Ammoniten treten vor allem Bivalven, Gastropoden und Spurenfossilien wie Chondrites und Palaeophycus auf. An Mikrofossilien sind vor allem Schwamm-Rhaxen und Ostrakoden enthalten.

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